Timo Müller Fotografie
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Flüchtlinge und Politik der Zukunft

Die Emder Zeitung hat die Fotoserie für mich veröffentlicht und diesen Text dazu geschrieben, der genau das wiedergibt, was ich damit ausdrücken möchte.

Normalerweise beschäftigt sich Timo Müller, Fotograf in Emden, nicht mit Themen
wie Flüchtlingen, Gewalt, öffentlicher Meinungsmache - und schon gar nicht
mit fremdenfeindlichem Gedankengut. Bis auf neulich abends, als er im Bett lag,
über den Tag nachdachte und über die Posts, die er im sozialen Netzwerk gelesen
hatte. Was sollte er tun dagegen, als Fotograf?

Sein Beruf ist es, Menschen und Dinge schön zu machen. Oftmals schöner, als sie
sind. Wer ein Foto bestellt, möchte nicht seine schlechten Seiten sehen. Sondern
er möchte etwas besser aussehen, etwas glattere Haut haben, etwas weniger Falten.
Nicht verfälscht, aber doch leicht verbessert.
Was kann man aber verbessern an ausländerfeindlichen Meinungen?

Nichts. Man kann sie nicht schöner machen, sie nicht relativieren. Und Müller merkte,
wie er wütend wurde: Auf Menschen, die Flüchtlingsheime anzünden. Auf Menschen,
die auf Facebook Hass-Kommentare schreiben. Auf Menschen, die gegenüber
Ausländern nicht Recht und Gesetz gelten lassen, sondern Feindseligkeit.
Und er beschloss, mit seinen Mitteln dagegen zu kämpfen.

Seine Mittel: Das ist eine Mittelformat „Hasselblad”-Kamera. Das ist sein Fotostudio
auf der Wolthuser Straße. Das sind Menschen, die er kennt, die er mag,
die wie er denken. Und seine Haupt-Waffe gegen den Hass in vielen Teilen der Gesellschaft
ist seine Kreativität. Als Fotograf hat er gelernt, Stimmungen einzufangen.
Aber er kann sie auch schaffen.

Vier Wochen lang arbeitete er an den acht Bildern. Als sie fertig waren, ging er zu vielen
Menschen und fragte sie, was sie in den Bildern sehen. Einen Zeitungsleser, jemand,
der sich Gedanken macht (aber doch ein Gewehr neben sich stehen hat),
ein Flüchtlingskind, das weint. Einen Soldaten, der noch ein Kind ist. Einen Obdachlosen
(oh, die Obdachlosen!)

Die armen Obdachlosen! Ob sie wissen, wie sehr sie von Menschenfeinden benutzt
werden, um gegen Flüchtlinge zu schimpfen („Und wer hilft den deutschen
Obdachlosen?”) (Viele, übrigens.) Und zum Schluss der Soldat, der im Deutschen
Bundestag spricht. Es könnte dieses Bild sein, mit dem Müller Menschen gegen
sich aufbringen könnte.

Denn unter den vielen Dingen, auf die viele Menschen in Deutschland stolz sind, gehört
auch, dass Soldaten im Parlament nichts zu sagen haben. Sondern das Parlament
den Soldaten sagt, was sie zu tun haben. Das genau aber trifft den Punkt. Müller
will warnen, und er überzeichnet. Und womöglich muss er dafür Schläge einstecken.
Es ist ihm bewusst.

Der Terrorismus, die rechtsextremen Parteien, die Leichen, der
Hass, die Vorurteile, die europäische Flüchtlingspolitik, die Intoleranz,
die Schlepperbanden, die Menschenfänger, Leid und Elend,
der Krieg. Müller hat seiner Wut Geltung verschafft - in Bildern,
die so subtil wie brachial daherkommen. Je nach Sichtweise.